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Nach der Eradikation der menschlichen Pockenkrankheit vor 30 Jahren steht eine weitere Infektionskrankheit vor der endgültigen Vernichtung
Medina Wurm vor der Ausrottung ohne Impfung, ohne Arzneimittel und ohne chemische Bekämpfungsmittel
Der Medina Wurm (Guinea worm, Dracunculus medinensis) ist ein Fadenwurm, der bei Befall des Menschen schwere Entzündungen und Abszesse unter der Haut vorwiegend an den Beinen verursacht. Vor allem treten auch zusätzliche bakterielle Infektionen auf, die erhebliche Gewebszerstörung zur Folge haben. Die weniger als ein mm langen Wurmlarven befallen Wasserflöhe (kleine Krebstierchen), die dann im Trinkwasser aus Tümpeln vom Menschen verschluckt werden. Sie durchbohren die Darmwand und wandern über den Bauchraum in die Bauchmuskulatur und dann unter der Haut in die Beine. Die Männchen leben wenige Monate und sterben dann ab.

Larven des Medina-Wurms
Die bis zu 80 cm langen Weibchen produzieren nach ca. einem Jahr bis zu einer halben Million Wurmlarven. Die Würmer durchbohren die Haut und stoßen die Larven aus, wenn der Mensch in Teiche oder Wassertümpel geht und seine Haut mit Wasser in Berührung kommt.
Der Medina-Wurm ist im tropischen Afrika von West bis Ost, in Arabien, Iran und auf dem
Indischen Subkontinent verbreitet. Die Bekämpfung wird ohne Medikamente oder chemische
Mittel durchgeführt. Trinkwasser aus Tümpeln und Teichen wird auf einfache Weise mit feinen Netzen filtriert, wo die kleinen Wasserflöhe hängen bleiben.
Das durch das (vom ehemaligen US amerikanischen Präsidenten Carter gegründete) „Carter Center“ vor 20 Jahren initiierte und finanziell unterstützte Programm ist offensichtlich so erfolgreich, dass man nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) mit der kompletten Ausrottung der Erkrankung im Jahr 2009 rechnet. Das Carter Center teilte am 21. Juni 2007 im New England Journal of Medicine mit, dass die Zahl der Länder, in denen noch Fälle mit Medina Wurm vorkommen von 20 im Jahre 1986 auf 9 zurückgegangen ist.
5 von den 9 Ländern meldeten nur noch wenige Fälle (weniger als dreißig).
Insgesamt wurden über 20 Jahre 225 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, von denen ein erheblicher Teil für die Aufklärung der Bevölkerung in den Endemiegebieten verwendet wurde, die zur Änderung der traditionellen Wassernutzung führte.
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