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Tollwut: der heimtückische Tod nach Auslandsreise PDF Drucken E-Mail

Weltweit sterben bis zu 70.000 Menschen jährlich an Tollwut. In den letzten 50 Jahren sind in Deutschland allerdings nur Fälle aufgetreten, die vor allem aus dem tropischen und subtropischen Ausland importiert wurden. Die Tollwut verläuft immer tödlich.

Die Tollwut ist eine Tierseuche (Zoonose) die bei vielen fleischfressenden Wildtieren und Haustieren aber auch bei Pflanzenfressern (Rehe, Schafe, Rinder, Pferde) vorkommt. Sie kann auch auf den Menschen übertragen werden und verläuft immer tödlich. Gefährdet sind vor allem Auslandsreisende, Biologen, Natur- und Tierliebhaber.


Wie erfolgt die Infektion? Wie kann ich mich schützen? Gibt es eine ungefährliche Impfung? Weltweites Vorkommen des Tollwutvirus

In Europa sind es vor allem Füchse (60 %), Hunde und Katzen, die mit dem Virus infiziert werden. Fast alle Säugetiere sind für Tollwut empfänglich. Greifvögel und sogar Hausgeflügel können betroffen sein. Neu entdecktes Virusreservoir sind Fledermäuse. Trotz vermehrter Anstrengungen u. a. durch Schluckimpfungen der Füchse, die von Jägern durchgeführt worden sind, ist die Tollwut hierzulande nicht völlig ausgerottet. Die Annahme, daß Europa weitgehend tollwutfrei sei, ist offensichtlich nicht richtig. Im Gegenteil, England das früher als tollwutfrei galt, hatte 2003 einen Todesfall durch das Fledermaus -Tollwutvirus zu verzeichnen. Australien galt bisher als völlig tollwutfrei. Aber auch dort gibt es auf den Menschen übertragene Fledermaus-Tollwut. In Amerika (USA, Mexiko) sind in jüngster Zeit auch Fälle durch Fledermäuse bekannt geworden. Das Hauptreservoir bleiben allerdings weiterhin Wildtiere, vor allem Füchse, Waschbären, Luchse, Wölfe, Stinktiere. Übrigens können sogar Seehunde an Tollwut erkranken.

Übertragung der Viren vom Tier auf den Menschen durch Speichel oder Blut

Die Tollwut wird durch das Rabies- oder Lyssa-Virus verursacht. Rabies (lateinisch) und Lysa (griechisch) bedeuten beide wörtlich übersetzt Wut, Raserei. Seit einiger Zeit sind mehrere Virustypen bekannt z.B. EBLV 1und 2 (European Bat Lyssa Virus = Europäisches Fledermaus Tollwut Virus), die alle auf den Menschen übertragen werden können. Die Viren werden vor allem über den hochinfektiösen Speichel beim Biß oder nach Berührung mit offenen Hautverletzungen übertragen. Das Virus kann in Tierkadavern monatelang überleben. Bei 80 Grad C bleibt es zwei Minuten, bei ca. 45 Grad C noch Stunden aktiv. Das Virus wird durch Speichel beim Biß aber auch durch direkten Blutkontakt also beispielsweise beim Verarbeiten von Wildtieren auf den Menschen übertragen. Als Besonderheit nimmt man an, daß das Fledermaus-Tollwutvirus auch über die Luft eingeatmet werden kann. Höhlenforscher und Fledermaus-Forscher seien daher gewarnt. Leider gibt es nur wenige verläßliche Daten über die Häufigkeit der Fledermaustollwut, da Fledermäuse unter Naturschutz stehen. Infektionen können aber auch bei engem Kontakt mit Rindern auftreten.

Krankheitssymptome und Verlauf

Symptome der menschlichen Tollwut: Erregtheit, Muskelzucken, Berührungsempfindlichkeit, Schlaflosigkeit, Krämpfe, Heiserkeit, Schlingkrämpfe schon beim Anblick von Getränken (Hydrophobie = "Wasserangst"), Kratzen, Toben, schließlich Lähmungen, Delirium und Koma. In ca. 20 % aller menschlichen Fälle ist der Verlauf von Anfang an nicht durch Agitation und "Raserei" sondern durch Muskellähmungen gekennzeichnet (sogenannte "stille Wut").

Von Infektion bis zu den ersten Krankheitserscheinungen dauert es im kürzesten Falle 10 Tage. Tückisch ist jedoch, daß der Ausbruch der Erkrankung beim Menschen Wochen, Monate sogar über ein Jahr dauern kann. Das erklärt, warum bei manchen Todesfällen die Tollwut nicht diagnostiziert wird, weil an ein lange Zeit zurückliegendes Ereignis mit Tierkontakt nicht mehr gedacht wird, vor allem wenn das Tier flüchtig war und selbst nicht als tollwütig erkannt wurde. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht, wenn die Erkrankung einmal ausgebrochen ist. Die Sterblichkeit liegt bei 100%.

Fallbeispiele

Fall: Eine Frau aus Leipzig wurde von einem Fuchs, der sich in einer Hundehütte versteckt hatte, in beide Arme und Beine sowie in ein Augenlid gebissen. Trotz einer innerhalb von nur viereinhalb Stunden eingeleiteten Impfung mit Passiv- und Aktiv-Impfstoff starb sie an den Folgen der Tollwut. Zum Verhängnis wurde wohl der Biß in das Augenlid. Je näher am Gehirn und Rückenmark die Eintrittspforte lokalisiert ist, desto schneller kommt das Virus entlang der Nerven dorthin mit einer Wanderungsgeschwindigkeit von 3 mm / Stunde.

Fall: Ein Landwirt vermutete bei einem Rind mit heftigen Schlingkrämpfen, daß es eine Rübe verschluckt habe und wollte diese mit der Hand aus dem Schlund entfernen. In Wirklichkeit war das Rind an Tollwut erkrankt. Er starb an Tollwut. Bei der Manipulation hatte er sich wahrscheinlich durch den Rinderspeichel über Schrunden an der Hand angesteckt.

Fall: 1996 verstarb ein Mensch in Düsseldorf an Tollwut. Der Verstorbene hatte sich offensichtlich vier Wochen vorher auf Sri Lanka beim Spielen mit einem Hund über Schürfwunden am Arm infiziert. Eine Impfung war nicht erfolgt, da man in Sri Lanka nicht an die Gefahr von Tollwut dachte.

Von den in Deutschland seit 1950 aufgetretenen Fällen waren fast alle auf Auslandsreisen überwiegend nach Kontakt mit Hunden aufgetreten. Als Rarität gelten sieben Fälle der Übertragung von Mensch zu Mensch nach Hornhauttransplantation von verstorbenen Spendern, deren Todesursache nicht bekannt war. Diese Beobachtung ist von besonderer Bedeutung, da sie darauf schließen lässt, daß es unerkannte Todesfälle durch Tollwut (Dunkelziffer) gibt.

Was kann man tun, damit die Erkrankung nach Kontakt mit einem tollwutinfizierten Tier nicht ausbricht?

Die Mehrzahl der importierten Tollwutfälle aus dem Ausland kann erklärt werden durch mangelnde Beratung in diesen Ländern, besonders aber durch das unvorsichtige Verhalten von Reisenden, die dort gebissen werden oder Tiere aus Ländern mitbringen, in denen die Tollwut vor allem bei streunenden Hunden und Katzen weit verbreitet ist und vorbeugende Impfungen nicht durchgeführt werden.

Verhalten bei Kontakt mit tollwutverdächtigem Tier: Waschen der Berührungsstelle mit Seife oder Detergenzien (inaktivieren das Virus), Sicherstellen des Tieres oder des Kadavers zur veterinärärztlichen Untersuchung, sofortiges Aufsuchen eines kundigen Arztes oder Krankenhauses zur Beratung.
Bei nachgewiesener Tiertollwut oder bei Verdacht und offenen Wunden oder Bißstellen wird mit Passiv-Impfstoff (Übertragung von Tierserum mit Antikörpern) und simultan mit einem Aktiv-Impfstoff geimpft. Die heutigen Aktiv-Impfstoffe sind effektiv und haben nur selten (vernachlässigbare) Nebenwirkungen.

Die sehr unangenehmen Folgen der früher üblichen Impfstoffe, die unter die Bauchhaut gespritzt werden mussten, gibt es nicht mehr. Im einigen Ländern der Dritten Welt könnten aber solche Impfstoffe noch im Gebrauch sein. Wie das Beispiel der Leipziger Patientin jedoch zeigt, kann die Impfung selten auch nach wenigen Stunden schon zu spät sein, wenn die Verletzung im Kopfbereich passiert ist, da der Weg über die peripheren Gehirnnerven zum Hirn sehr kurz ist.

Wie schützt man sich vor einer Tollwutinfektion?

Keine direkten Kontakte mit Tieren im Ausland, auch wenn der junge Hund oder die junge Katze so niedlich sind.

Schutz bietet die aktive Tollwutimpfung.


Biologen, Höhlenforschern, Tierärzten, Jägern und Abenteuerreisenden ist die Impfung, die mehrmals wiederholt werden muß, zu empfehlen. Der Impfschutz hält über viele Jahre an.