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Was ist die Reisethrombose oder das sogenannte "economy class syndrome"?


Es handelt sich um eine Thrombose, die erstmals bei Passagieren auf Langstreckenflügen in der Economy-Klasse beschrieben und auf die enge Sitzposition zurückgeführt wurde. Sie hat danach in nationalen und internationalen Medien unter der Bezeichnung "economy class syndrome" eine beachtliche Publizität erfahren.

Es handelt sich dabei um eine nach langer Reise auftretendeThrombose. Man spricht von einer Reisethrombose (mit oder ohne Lungenembolie), wenn ein derartges Ereignis in zeitlichem Zusammenhang mit einer vielstündigen Reise in vorwiegend sitzender Position bei Personen auftritt, die bei Reiseantritt keinen Hinweis auf eine akute venöse Thromboembolie aufwiesen. Das Ereignis ist im Vergleich zur enormen Frequenz von Langstreckenreisen selten und betrifft vor allem Reisende mit zusätzlichen Risikofaktoren für venöse Thromboembolien Reisethrombosen kommen nicht nur bei Flugreisen sondern auch bei Omnibus-, Eisenbahn- und PKW-Reisen vor.

Ursachen der Reisethrombose.

Wichtiger Risikofaktor venöser Thromboembolien bei vielstündiger Reisedauer (z. B. über 6 Stunden) in vorwiegend sitzender Position ist die körperliche Immobilisierung mit Wegfall der sogenannten Muskelpumpe im Bereich der unteren Extremitäten. Besonders gefährdet sind Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren. Hierzu zählen (auch länger zurückliegende) venöse Thromboembolien in der Krankheitsvorgeschichte, schwere Herz-, Lungen- und Tumorerkrankungen sowie kurz zurückliegende chirurgische Eingriffe, Verletzungen oder Knochenbrüche der Beine.

Wie beugt man vor?

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer Thrombose ist die weitest mögliche Vermeidung des längerdauernden "regungslosen Sitzens". Die gleiche Empfehlung gilt im übrigen nicht nur auf Reisen sondern auch bei anderen Gelegenheiten z. B. zu Hause!

Wenn im Verkehrsmittel aktives Gehen in z.B. stündlichem Abstand für einige Minuten nicht möglich ist, sind Bewegungsübungen (Wippen / Kreiselbewegung der Füße) und isometrische Übungen der Beinmuskulatur (mehrfaches Anspannen der Bein- und Gesäßmuskeln im Sitzen) ein hinreichender Ersatz. Auch ausreichende (nichtalkoholische) Flüssigkeitszufuhr und Zurückhaltung beim Gebrauch von sedierenden Medikamenten (z. B. Schlafmittel) auf Reisen sind empfehlenswert. Kompressionsstrümpfe (sog. Antithrombosestrümpfe) können das Risiko reduzieren.

 

Sind vorbeugende Medikamente empfehlenswert?

Die generelle Empfehlung zur Anwendung von Antikoagulanzien (Heparine) entbehrt in Abwägung von Nutzen und Risiko jeder fundierten Grundlage. Im Zweifelsfall sind Einzelfallentscheidungen unter Einbeziehung eines kompetenten Arztes erforderlich.

In Hinblick auf unerwünschte Wirkungen / Nebenwirkungen ist der ungezielte Gebrauch von Medikamenten zur Thromboembolieprophylaxe nicht ratsam. Von Medikamenten, die Acetylsalicylsäure enthalten (z. B. AspirinR), und sog. Venentherapeutika sind zur Prophylaxe im venösen Bereich keine positiven Wirkungen zu erwarten.

Welche Symptome erfordern sofortige ärztliche Behandlung?

Tiefe Beinvenenthrombosen können sich durch eine Schwellneigung und Gefühlsstörungen des betroffenen Beins bemerkbar machen. Da das Anschwellen der Beine nach langem Sitzen durch Wassereinlagerungen (Ödeme) jedoch ein sehr häufiges und dann relativ harmloses Problem ist, sollte man das Symptom nicht dramatisieren und nur bei ernsthaftem Verdacht mit entsprechender Diagnostik (z. B. Ultraschalluntersuchung) am Reiseende die Abklärung und ggf. Therapie herbeiführen.

Lungenembolien sind eine ernsthafte und schwerwiegende Komplikation der Reisethrombose. Die dabei auftretenden Beschwerden sind unspezifisch und vielgestaltig. Alarmierende Symptome sind: Atemnot, beschleunigte Atmung, Herzrasen und Schmerzen im Brustkorbbereich. Diese Symptome können auch bei anderen akuten Krankheitsereignissen (z. B. Herzinfarkt) auftreten. Schnellstmögliche Notfallbehandlung und ärztliche Hilfe sind erforderlich. Im Flugzeug sofortige Information der Flugbegleiter. Im Bus soll der Fahrer das nächste Krankenhaus anfahren. Bei der Zugfahrt beim nächsten Halt aussteigen und ins Krankenhaus.