Seit alter Zeit gibt es Anwendungen zur Darmentleerung.
Auch bei Naturvölkern ist der Darmeinlauf mit Kalebassen für die medizinische Behandlung bekannt und geübt. An der Pfefferküste Westafrikas wird scharfer Pfeffer (Chili) in den Einlauf gegeben, um einen Heileffekt zu erzielen. Im Mittelalter war neben dem Schröpfen und dem Aderlaß das Purgieren (Reinigen) des Darms eine besonders häufige Behandlung. Als Begründung wird meistens angeführt, dass damit der Körper von Schlacken befreit und entgiftet werde, diese ist nicht zeitgemäß!
Der menschliche Darm besteht im Wesentlichen aus dem Dünndarm und dem Dickdarm.
Der Dünndarm ist für die Aufnahme der vom Magen aufbereiteten Nahrung zuständig. In den Dünndarm fließt aus den Gallengängen Gallensaft und aus der Bauchspeicheldrüse Verdaungssäfte ein. Die für die Ernährung wichtigen Nahrungsbestandteile: Fett, Kohlehydrate, Mineralien und Vitamine werden durch die Dünndarmzellen aufgenommen und über die Leber ins Blut abgegeben. Der bakterienarme restliche Nahrungsbrei wird in den Dickdarm verschoben und durch Absorption von Flüssigkeit verdickt, bevor er ausgeschieden wird.
Im Dickdarm halten sich Billionen von Bakterien auf. Zu weit über 90 % sind das sogenannte Laktobazillen und Bifidobakterien, wie sie auch in vergorenen Milchprodukten (z.B. Joghurt) vorkommen. Die Bakterien werden vom Immunsystem des Darmes in Schach gehalten, damit sie nicht über die Schleimhaut in das Blut eindringen und Infektionen verursachen. Je nach Zusammensetzung der Nahrung schwankt die Masse des ausgeschiedenen Stuhls und die Konsistenz.
Der Stuhl wird meist täglich abgesetzt, kann aber auch mehrfach am Tag oder nur alle zwei – drei Tage erfolgen. Bei längeren Intervallen muss eine krankhafte Ursache ausgeschlossen werden. Dass über 5 Monate kein Stuhlgang erfolgt, ist eine seltene Komplikation bei der sogenannten Chagaskrankheit, einer von Raubwanzen übertragenen Infektion in Südamerika. Grund ist eine Lähmung der Nerven, welche die Bewegung des Darmes steuern sollen. Folge ist, dass der Stuhl im Darm verhärtet und operativ entfernt werden muss. Bei der normalen Stuhlentleerung werden alle nicht vom Körper benötigten oder schädlichen Stoffe ausgeschieden. Nur in seltenen Fällen ist bei über Tage fehlendem Stuhlgang (oder vor medizinischen Eingriffen) ein Einlauf zur Darmentleerung angebracht. Zuvor muß aber eine krankhafte Störung wie eine Blockierung der Darmtätigkeit etwa aufgrund einer Bauchfellentzündung ausgeschlossen sein.
Die mechanische Stuhlentleerung des Darmes ist allerdings bei krankhaften Zuständen wie Querschnittslähmung erforderlich. Eine künstlich herbeigeführte Darmentleerung zur „Entschlackung“ ist nicht empfehlenswert. Der übliche Stuhlgang ist der ganz natürliche Entschlackungsvorgang. Eine heilende Wirkung auf Krankheiten wie Rheuma, Allergien, Migräne usw. hat ein Darmeinlauf nicht. Das gilt auch für das sogenannte „subaquale Darmbad“ und für das sogenannte Hydro-Colon (Wasser-Darm). Dabei werden große Mengen von Wasser z. T. mit Zusätzen verschiedener Art zur Spülung über eine Zeit von bis zu einer Stunde in den Dickdarm eingeleitet.
Patienten mit Grunderkrankungen wie Herz-Schwäche, Nierenerkrankungen o. ä. werden durch eine Hydro-Colon-Therapie unter Umständen lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt.
Es ist eine Irreführung zu behaupten, der Darm würde durch eine Colon-Hydro-Therapie gesünder „entschlackt“ und könnte Krankheiten vorbeugen oder sie heilen. Dieses aus dem Mittelalter stammende Märchen beruht nicht auf bestätigten Ergebnissen und ist nicht mehr zeitgemäß. Tatsächlich können bei solchen Maßnahmen schädliche Ereignisse auftreten.
Weitere Stichworte dazu: COLON-HYDRO-THERAPIE , HYDRO-COLON - SUBAQUALES DARMBAD
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